Dispokredit Eingeräumte Kreditlinie für das Girokonto

KontoauszügeDer Dispositionskredit, kurz Dispokredit oder einfach Dispo, ist eine Kreditlinie, die auf privaten Girokonten eingerichtet wird. Sie kann individuell in Anspruch genommen werden, auch die Rückzahlung ist sehr flexibel. Aus diesem Grund ist der Dispositionskredit einer der am häufigsten vergebenen Kredite.

Dispokredit

Unter dem Dispokredit versteht man keinen Kredit im eigentlichen Sinn, denn der Kredit wird nach Beantragung nicht in einer Summe ausgezahlt. Vielmehr erhält der Kontoinhaber eines privaten Girokontos das Recht, sein Konto bis zur Höhe des Dispokredites zu überziehen. Es handelt sich somit um eine Kreditlinie, die je nach Wunsch in Anspruch genommen werden kann.

Einrichtung des Dispos

Der Dispokredit wird in vielen Fällen direkt bei Kontoeröffnung eingerichtet. Ein separater Antrag ist bei den meisten Banken nicht nötig, sofern der Kontoinhaber monatliche Gehaltseinkünfte und eine positive Schufa-Auskunft nachweisen kann. Hierzu sollten die Gehaltsnachweise bei der Bank mit eingereicht werden.

Sofern keine Gehaltsnachweise vorliegen, warten einige Institute vor Genehmigung die ersten Gehaltseingänge ab, bevor der Dispokredit eingerichtet wird.

Die Höhe vom Dispokredit orientiert sich an der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens, welches auf das Konto eingeht. In den meisten Fällen richten die Banken den Dispokredit in Höhe des doppelten oder des Dreifachen Nettogehaltes ein. Spätere Änderungen sind auf Wunsch natürlich jederzeit möglich. Bei gewünschten Erhöhungen ist allerdings eine entsprechend positive Bonität nachzuweisen.

Rechtliche Grundlagen für den Dispokredit

Der Dispokredit ist eine Form des unbefristeten Kontokorrentkredites. Er ist demnach ein Darlehen im Sinne des §§ 488 ff. BGB sowie des § 493 BGB. Anhand dieser gesetzlichen Vorgaben wird der Dispokredit als Verbraucherkreditvertrag eingestuft. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Banken außer den berechneten Zinsen keine weiteren Kosten in Rechnung stellen. Zudem dürfen die Zinsen nicht in kürzeren Perioden als drei Monaten berechnet werden.

Vertragsgrundlagen des Dispokredites

Im Unterschied zu klassischen Ratenkrediten erhalten Nutzer des Dispokredites keinen Darlehensvertrag. Dennoch ist das Kreditinstitut verpflichtet, den Kreditnehmer über die wichtigsten Eckdaten des Kredites zu informieren.

Hierzu gehören:

  • Höhe der Kreditlinie
  • der aktuell geltende effektive Jahreszins
  • Regelungen zur Vertragsbeendigung

Da die Darlehenszinsen immer variabel vereinbart werden, müssen die Banken auch darüber informieren, wann und unter welchen Voraussetzungen Änderungen erfolgen können. Die genannten Informationen werden in der Regel über Ausdrucke auf dem Kontoauszug den Kunden nähergebracht.

Verfügungsmöglichkeiten beim Dispokredit

Der Dispokredit kann flexibel genutzt werden, denn es handelt sich hierbei um eine Kreditlinie. Verfügungen sind sowohl per Lastschrift als auch durch Überweisung und Barabhebung möglich. Je nach Wunsch kann mit dem Dispokredit der Kauf eines neuen Fernsehers finanziert werden, aber auch die Bezahlung der Urlaubsreise ist mit dieser Kreditlinie problemlos möglich.

Bei der Beanspruchung des Dispokredites ist kein weiterer Antrag bei der Bank notwendig, so lange diese sich im Rahmen der genehmigten Kreditlinie befindet.

Rückzahlung des Dispokredites

Für den Dispokredit wird kein fester Rückzahlungsplan vereinbart. Vielmehr ist es Kreditnehmern möglich, den Kredit flexibel, etwa durch Gehaltseingänge, zurückzuzahlen. Hierdurch besteht natürlich auch die Möglichkeit, den Kredit zu jeder Zeit ganz oder teilweise zurückzuführen, ohne Beachtung von Kündigungsfristen.

Und da man beim Dispokredit von einem revolvierenden Kredit spricht, kann der Kreditrahmen auch nach dessen Rückzahlung immer wieder neu in Anspruch genommen werden.

Kündigung durch den Kontoinhaber

Soll der Dispokredit nicht mehr in Anspruch genommen werden, können Kontoinhaber ihre Bank jederzeit bitten, den Dispokredit auf dem Konto zu streichen. Eine solche Streichung ist ohne Kündigungsfrist möglich, so dass auch die Ablösung oder Umschuldung eines Dispokredites zu jeder Zeit vorgenommen werden kann.

Wird der Dispokredit gekündigt, ist die in Anspruch genommene Kreditsumme sofort fällig und muss zurückgezahlt werden.

Kündigung des Dispokredites durch die Bank

Doch nicht nur die Kontoinhaber, auch die Bank hat ein Recht, den Dispokredit zu kündigen. Eine solche Kündigung kann beispielsweise ausgesprochen werden, wenn sich der Kontoinhaber nicht an Absprachen hält und das Konto weit über den Dispokredit hinaus in Anspruch nimmt. Aber auch wenn negative Bonitätsmerkmale bekannt werden, etwa durch die Eintragung in die Schufa-Daten, kann es zu einer Kündigung des Dispokredites kommen.

Eine solche Kündigung wird allerdings nicht sofort vollzogen. Vielmehr haben Kontoinhaber nach ausgesprochener Kündigung 21 Tage Zeit, sich um eine Umschuldung zu bemühen oder die Bank von der Aufrechterhaltung des Kredites zu überzeugen.

Verfahren bei Kontopfändung

Im Rahmen einer Kontopfändung ist es Gläubigern möglich, vorhandenes Kontoguthaben zu sperren und dieses überweisen zu lassen. Der Dispokredit hingegen kann nicht gepfändet werden, denn es handelt sich auch hier um einen Kredit, der wiederum als Forderung angesehen wird.

Sofern eine Kontopfändung eingeht, wird die Bank den Dispokredit kündigen, um das Konto ausschließlich im Guthaben zu führen. Schließlich ist das Risiko des Kreditausfalls in diesen Fällen sehr groß.

Kosten beim Dispokredit

Wie bei jedem Kredit fallen auch beim Dispokredit Kosten an. Bearbeitungsgebühren oder Gebühren für die Einreichung des Kredites werden grundsätzlich nicht berechnet, lediglich Zinskosten müssen beim Dispokredit getragen werden.

Diese Zinsen fallen allerdings nur auf die in Anspruch genommene Darlehenssumme an, zudem werden nur für jene Tage Zinsen berechnet, in denen das Konto im Soll geführt wurde. Die Zinsberechnung ist beim Dispokredit somit fair, transparent und nachvollziehbar.

Variable Verzinsung

Beim Dispokredit wird in der Regel eine variable Verzinsung vereinbart. Für Kontoinhaber bedeutet dies, dass die Bank die Zinsen sowohl nach oben als auch nach unten anpassen wird. Vor allem in Zeiten steigender Marktzinsen wird die Bank auch die Zinsen vom Dispokredit nach oben anpassen, und zwar ohne Rückfrage beim Kunden.

Veränderungen beim Dispokredit können dem Preisaushang entnommen werden, vielfach unterrichten die Banken ihre Kunden auch per Kontoauszug bereits im Vorfeld darüber.

Hohe Zinsen beim Dispokredit

Der Dispokredit ist einer der teuersten Kredite in Deutschland. Der Grund hierfür ist, dass die Banken die Kreditsummen stetig vorhalten müssen, denn sie könnten ja in Anspruch genommen werden.

Die Konditionen der Institute variieren dabei zwischen 7,9 – 16% p.a. effektiv. Aufgrund dieser hohen Zinssätze ist es in vielen Fällen sinnvoll, den Dispokredit in einen klassischen Privatkredit mit monatlicher Rate zurückzuführen. Hierdurch können nicht nur Zinsen gespart werden, sondern der Kredit kann auch mit monatlichen Raten getilgt werden, so dass Kreditnehmer bald schuldenfrei sind.

Umschuldung in einen Ratenkredit

Die Umschuldung vom Dispokredit in einen Ratenkredit ist in vielen Fällen aufgrund der hohen Zinsen sinnvoll. Kündigungsfristen müssen beim Dispokredit nicht berücksichtigt werden, die Rückzahlung erfolgt einfach durch Überweisung des noch offenen Kontosaldos.

Ob eine Umschuldung sinnvoll ist, können die Zinsen für den neuen Ratenkredit zeigen. Hierbei sollten aber auch die hierbei anfallenden Kosten, etwa die Bearbeitungsgebühren, berücksichtigt werden. Der effektive Jahreszins zeigt die Kosten beim neuen Ratenkredit, die so mit dem Dispokredit verglichen werden können.

Wann der Dispokredit sinnvoll ist – nur bei kurzen Finanzierungen

Der Dispokredit ist als Kreditlinie vor allem für den kurzfristigen Geldbedarf sinnvoll. Wenn beispielsweise kurz vor Lohneingang eine wichtige Rechnung bezahlt werden soll oder wenn die Urlaubsreise gerade jetzt überwiesen werden muss, ist der Dispokredit passend, denn er kann jederzeit wieder zurückgezahlt werden.

Aufgrund der vergleichsweise hohen Zinsen jedoch lohnt er sich meist nicht für längerfristige Finanzierungen. In diesen Fällen wäre ein Ratenkredit die bessere Variante.

Vorsicht vor Überschuldung

In einigen Fällen ist der Dispokredit auch der erste Weg in die Überschuldung. Einige Kontoinhaber nutzen den Dispokredit stets bis zu dessen Obergrenze aus und müssen dann entsprechend viele Zinsen bezahlen.

Wenn dann noch das Einkommen sinkt, droht die Überschuldung, denn Gelder wurden nicht zurückgelegt. Daher sollte der Dispokredit möglichst nur im Notfall genutzt werden, für längerfristige Finanzierungen stehen dann Ratenkredite zur Verfügung.

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